background
Uhr ·

Abbruch - aber nichts entschieden

Die Verbandsspitzen - davon darf man ausgehen - hätten sich ein anderes Vorgehen gewünscht. Doch bei den Vereinen kamen sie in Niedersachsen und jetzt auch in Schleswig-Holstein nicht durch. Die Klubs wünschten keinen Fortlauf der Saison 2019/20 bis zum 31. Mai 2021 unter Aussetzung der Saison 2020/21. Das ist auch nachvollziehbar. Aber es gibt keine gute Lösung.

Positiv ist die Planungssicherheit. Ab dem 9. Mai werden die meisten schleswig-holsteinischen Vereine von der Oberliga abwärts wohl wissen, in welcher Liga sie in der kommenden Saison spielen. Dann will der Landesverband über Auf- und Abstieg entscheiden. Doch auch nach dieser Sitzung wird nicht alles geklärt sein. Die aktuelle Spielpause - sie wird einschließlich der Winterpause 19/20 mindestens ein knappes Jahr betragen - dürfte Schneisen schlagen und Mannschaften kosten. Und selbst wenn eine Aussetzung des Abstiegs Ruhe auf dieser Seite des Tableaus  brächte, wird die Aufstiegsfrage zu Unzufriedenheiten, gewiss auch zu Rechtsfällen führen.

Außerdem steht der (ohnehin verspätete) Saisonbeginn am 1. September, wie ihn sich der SHFV wünscht,  auf tönernen Füßen. Das entscheidet der Fußball nicht. In Berlin sind größere Veranstaltungen bis Ende Oktober verboten, in München das Oktoberfest abgesagt. Tritt ein solches Szenario hier ein, könnte über die Winterpause hinaus gleich bis in den März 2021 Spielruhe herrschen. Das wäre nicht weit weg von den ursprünglichen Vorstellungen des Verbandes. Nur stünde dann noch eine komplette Saison in möglicherweise aufgestockten Ligen aus. Der Spielbetrieb müsste ganz anders organisiert werden. 

Nicht mehr als eine erste Entscheidung ist am Montag getroffen worden. Geregelt ist gar nichts. Es wird sich zeigen müssen, ob die Vereine in Schleswig-Holstein die Fähigkeit zum Kompromiss aufbringen,  Einzelinteressen auch einmal hintenan stellen. 

Wenn das nicht passiert, kennzeichnet der 27. April 2020 den Anfang vom Ende. Das hätte allerdings auch bei jeder anderen Entscheidung so sein können.

Und niemals vergessen: Hauptsache gesund.



Wolfgang Ehlers

Wolfgang Ehlers
Wolfgang Ehlers, Jahrgang 1957, Redakteur im Verlag Boyens Medien seit über 23 Jahren, ist Dithmarscher von Geburt an und ein jahrzehntelanger Beobachter der Sportszene.

« Zurück

Diskutiere über diesen Artikel

(Keine Antwort)

Dein Kommentar