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Der Fall Prokop

Die Stunde der Humoristen schlug nach dem Spiel um den fünften Platz. Christian Prokop hatte als Handball-Bundestrainer gerade seine Sicht der Dinge erläutert und gleichzeitig erklärt, „50 Stunden“ über die mangelhafte Rückendeckung während der Vorrunde der Handball-EM nachgedacht zu haben. 

Zehn Meter entfernt standen Bob Hanning, der sport-mächtige Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, Axel Kromer, offiziell Sportvorstand, und Präsident Andreas Michelmann, der sich zum operativen Geschäft gar nicht äußern wollte, es sich dann aber doch nicht verkneifen konnte. 

Prokop zeigte sich einverstanden mit dem fünften Platz. Hanning hatte außer der schwierigen Vorrunde auch wenig auszusetzen, Michelmann verteilte an die deutsche Mannschaft in diesem Turnier die Schulnote 2+. 

Danach war klar: Prokop hat keine Chance. 

Isolierter als in den Katakomben von Stockholm war selten ein Trainer. Allerdings dachte man im Auditorium noch, Prokop dürfe wenigstens bis zur Olympia-Qualifikation vom 17. bis 19. April Bundestrainer bleiben und im Falle des Erfolgs auch während der Spiele. 

Alfred Gislason indes hatte seine Bewerbungsrede längst gehalten. Das geschah in Kiel anlässlich des Heimspiels gegen Wetzlar vor Weihnachten, das der THW hoch verlor. Gislason, der Ex-Trainer, war zum ersten Mal wieder in Kiel und erzählte, dass er des Gartens im heimischen Magdeburg überdrüssig sei. 

Das ist jetzt also ein programmierter Trainerwechsel, bei dem alle schlecht aussehen. Christian Prokop war nie der geborene Bundestrainer. Er hat sehr viel Ahnung vom Handball, ist ein Ausbilder, der Vereine voranbringen kann – den Draht zu gestandenen Profis, nicht viel jünger als er, fand der Köthener selten. Schon seine Installierung - 2017 in Flensburg für geplante fünf Jahre - geriet holprig. Vor dem Bundesliga-Spiel war klar, dass er in Leipzig bleibt. Während der Partie sickerte immer mehr durch, dass sich die Sachlage ändere und Prokop eventuell, vielleicht, wahrscheinlich Bundestrainer werde. Das erklärte er nach der kurz gehaltenen Pressekonferenz zum Spiel dann auch vor Kameras.

Die Verbandsgewaltigen haben sich vor allem in Stockholm lächerlich gemacht; nicht nur Hanning mit seinen gewagten Pullovern. Der DHB zahlte 500 000 Euro an Leipzig, um Prokop zu gewinnen. Aber überzeugend war das von Anfang an nicht. 

Alfred Gislason sieht jetzt aus wie ein Erbschleicher. Doch die schlechteste Figur geben die Kabarettisten vom DHB ab. Humor ist zwar, wenn man trotzdem lacht. Mit Prokops Abgang dürfte es indes nicht getan sein.



Wolfgang Ehlers

Wolfgang Ehlers
Wolfgang Ehlers, Jahrgang 1957, Redakteur im Verlag Boyens Medien seit über 23 Jahren, ist Dithmarscher von Geburt an und ein jahrzehntelanger Beobachter der Sportszene.

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