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Der Fall Torunarigha

Das Länderspiel in Leverkusen, ein Test vor der WM 2018, war wenige Tage zuvor nicht ausverkauft. Kein Wunder. Saudi-Arabien ist bei hohen Preisen und ungünstiger Anstoßzeit nicht der verlockendste Gegner. Als angepfiffen wurde, war es dann doch voll. Und gepfiffen wurde reichlich - besonders nach 65 Minuten, als Ilkay Gündogan eingewechselt wurde.

Mesut Özil war in Leverkusen sicherheitshalber nicht am Start. Das Foto mit dem türkischen Despoten Erdogan hatte mit Recht für Aufsehen und Kritik gesorgt. Was aber bei Gündogans Einwechslung auffiel: Hier kühlten Rassisten ihr Mütchen. Die Pfiffe galten dem vermeintlichen Türken. Geboren in Gelsenkirchen.

Dort hat sich gerade nach Schalkes Pokalsieg gegen Hertha der Trainer David Wagner entschuldigt. Er habe die rassistischen Beleidigungen gegen den Berliner Spieler Torunarigha nicht gehört, aber er bereue sie im Namen des gesamten Vereins. Der Satz heißt: Auch wer es nicht gehört hat, ahnte, dass es so gewesen war. Wagner (“Dann kicken wir nicht mehr weiter“) stellte einen Spielabbruch in den Raum.

Es geht nicht immer lustig zu in Fußballstadien. Wer mal Lazio Rom gewesen ist, kann von erschreckenden Auswüchsen im Olympiastadion berichten, wo selbst ein Derby gegen AS Rom  selten ausverkauft ist. Besucher scheuen nicht allein die hohen Preise; man möchte ja auch lebendig rauskommen.

Gelsenkirchen ist nicht weniger ein Problemdistrikt als, sagen wir: Erfurt, wo der  einst stolze FC Rot-Weiß sich insolvent aus der Regionalliga zurückziehen musste. Aber solche Probleme rechtfertigen nicht, was unter der Woche passiert ist, auf Schalke und in Erfurt und dass vor allem die dumpfesten Parolen so viel Nachhall finden.

Für ein „Wehret den Anfängen“ ist zu spät. Man muss da anders ran.



Wolfgang Ehlers

Wolfgang Ehlers
Wolfgang Ehlers, Jahrgang 1957, Redakteur im Verlag Boyens Medien seit über 23 Jahren, ist Dithmarscher von Geburt an und ein jahrzehntelanger Beobachter der Sportszene.

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