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Die Stunde X

Sehen sich derzeit selten, ahlten aber Kontakt: Die Verbandsgeschäftsführer Dr. Tim Cassel (links) und Tobias Kruse. 

Landesverband glaubt an Leidenschaft und Kreativität seiner Fußballer

Tobias Kruse und Dr. Tim Cassel treffen sich selten. Die Verbindung ist trotzdem gut, man nutzt die technischen Möglichkeiten. Physisch befolgen die Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, die ihre Anwesenheit in der Kieler Verbandszentrale koordinieren, das Gebot der Distanz. „Ich war auch vorher schon einen Tag in der Woche im Home Office“, sagt Tim Cassel. „Wir haben darin Übung. Das bewährt sich jetzt.“

Der Spielbetrieb ruht, doch der SHFV konferiert ständig, zum Beispiel auch am Sonnabend im Rahmen einer Präsidiumssitzung per Videoschaltung. Es wird ja eine Zeit nach dem Virus geben, die dann schnelles Handeln erfordert. „Wir spielen alle Szenarien durch“, sagt Tim Cassel. „Wenn die Politik, die FIFA und der DFB sagen, dass und wann es wieder los geht, werden wir hoffentlich nur noch den richtigen Plan aus der Schublade ziehen müssen.“

Absehbar ist dieser Zeitrahmen nicht. Der SHFV hält sich mit Spekulationen zurück. Alle zwei Tage schließt sich der DFB-Präsident mit seinen Landesverbänden kurz, um über den aktuellen Stand zu informieren. Eine einheitliche Regelung wird angestrebt. „Daran halten wir uns“, sagt Tim Cassel. Details? Siehe oben: In vielen Schubladen.

Juristischen Rat holt der Verband ebenfalls ein. Nur ein Beispiel: Satzungsgemäß wäre ein Spieler nach einer halbjährigen Spielpause sofort für einen anderen Verein spielberechtigt. Das könnte auf Fußballer zutreffen, die nach der Winterpause noch nicht wieder in Aktion getreten sind. Die grundsätzlich am 1. Juli beginnende Wechselperiode ist ein ähnliches Thema.

„Wir werden unseren Vereinen Hilfestellung und Rechtssicherheit bieten“, sagt der SHFV-Geschäftsführer, der sämtliche Informationen zur gegebenen Zeit umgehend und flächendeckend zur Verfügung stellen wird.

Keiner weiß, wie lange es dauert. Doch bleibenden Schaden für den Fußballsport befürchtet Cassel weniger. Im Gegenteil: Dass sich Unzuverlässigkeiten in den Mannschaften gehäuft haben, Spieler oft unter merkwürdigen Gründen fehlten, ist auch in Kiel bekannt. „Aber jetzt spüren viele Aktive, wie wichtig einem der Fußball ist“, sagt der Soziologe und erwartet sogar einen unendlichen Appetit. „Alle merken, was ihnen entgeht. Das wird nachwirken.“

Damit sich diese Pause so kurz wie möglich gestaltet, will der SHFV zur „Stunde X“ besonders im Jugendbereich unbürokratisch vorgehen. „Es wird interessante Ideen geben“, ist sich Cassel sicher, dessen Ausblick somit ein optimistischer ist: „Wenn wir Kreativität fördern und zulassen, kann der Fußball eine Vorbildrolle spielen.“



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