background
Uhr ·

Dortmunder Doppelmoral

Die begehrteste Aktie auf dem europäischen Fußball-Markt wechselt den Besitzer. Erling Haaland tritt den Weg von RB Salzburg zu Borussia Dortmund an.

Bemerkenswert ist zweierlei: Der Norweger Haaland, der bereits mit 15 bei einem Verein namens Bryne BK als Profi debütierte, verlässt den RB-internen Ausbildungsweg. Der hätte gemäß der Firmen-Philosophie nach Leipzig führen müssen. Aber so ist das Geschäft. 

Leipzig wurde von Dortmund mit den Mitteln des Geldes geschlagen. Der BVB zieht einen Wechsel auf die Zukunft. Haalands Ablösesumme ist, wie man lesen kann, auf 20 Millionen Euro festgeschrieben. Gehandelt wird das Talent mit einem Marktwert von 45 Millionen Euro. Nun kann man leicht nachrechnen, welches Handgeld an Spieler und Berater geflossen ist – und dass die Leipziger bei der Risikoabwägung ausgestiegen sind; der Junge ist erst 19. 

Das Weitere berührt den Kern des Fußballs. Auch die UEFA hat den einstigen Konsens aufgekündigt, dass während der Saison nicht in einen laufenden Wettbewerb eingegriffen wird. Somit ist es möglich, in einem Spieljahr für zwei Vereine in der Champions League anzutreten. Haaland wurde frei, weil RB Salzburg die K.o.-Phase im Meistercup knapp verpasste. 

Profifußball ist Raubtier-Kapitalismus. Sofern niemand außerhalb seines Reviers zu Schaden kommt, erübrigt sich Wehgeschrei. Ist keiner gezwungen, sich dem Diktat auszuliefern. 

Vor Verlogenheit sei indes gewarnt: Es soll kein Bundesligist mehr auf die Gepflogenheiten in der englischen Premier League hinweisen. Und BVB-Geschäftsführer Watzke sollte sich hüten, ein weiteres Mal das Feindbild Leipzig zu entwerfen, weil der dortige Verein nur gegründet worden sei, um Dosenbrause zu bewerben. 

Die diskriminierenden Transparente im Dortmunder Stadion kann Watzke gleich mit endlagern.



Wolfgang Ehlers

Wolfgang Ehlers
Wolfgang Ehlers, Jahrgang 1957, Redakteur im Verlag Boyens Medien seit über 23 Jahren, ist Dithmarscher von Geburt an und ein jahrzehntelanger Beobachter der Sportszene.

« Zurück

Diskutiere über diesen Artikel

(Keine Antwort)

Dein Kommentar