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Hier schraubt der Chef

Andreas Meyenburg mit den Beauftragten des Norddeutschen Fußballverbandes, August-Wilhelm Winsmann (links) und Eddy Münch, bei der Abnahme des Stadions an der Meldorfer Straße. Foto: Seehausen

Die 10-Uhr-Geschichte zur Regionalliga

Am Dienstagabend steht Andreas Meyenburg auf einem Gerüst. Unter ihm laufen D-Junioren des Heider SV und des Ostroher SC mit ihren Betreuern, die noch einen recht weiten Weg vor sich haben zum Zweitplatz des MTV Heide, vorbei an der Baugrube für den neuen Kunstrasen: „Wenn ihr zurückkommt, bin ich fertig“, ruft Meyenburg gut gelaunt. Mit seinem Akkuschrauber befestigt er eine Werbetafel an der Ostseite hinter dem Einlass.

Diese Einnahmen sind existenziell für den Heider SV, der nach dem Regionalliga-Aufstieg einen 130000-Euro-Jahresetat aufgestellt hat. Meyenburg als Chef der Liga GmbH ist Klinkenputzen gegangen; der Geschäftsmann hat auch in eigenen Reihen für das Trikotsponsering geworben. Bei Meyenburg in Hemmingstedt läuft der Vorverkauf für die Heimspiele; diese Zuschauer müssen abends nicht anstehen.

Andreas Meyenburg ist nicht nur gelobt worden für seine Visionen. Es gab und gibt Kritiker, die glauben, dass sich der Verein überhebt und den Nutzen anzweifeln. Doch als sich die Gelegenheit ergab, für die Regionalliga zu melden, packte der Fußballfan sie beim Schopf, fragte Mannschaft und Trainer und schickte die Bewerbung ab. Wie viel zu tun war, was der Verband einem Aufsteiger abverlangt - hätte Meyenburg das alles gewusst, er hätte sich die Sache vielleicht überlegt. Schrauben in eine Werbetafel zu tackern, ist ungefähr das geringste Problem. 

Aber wenn auch zum Spiel gegen den VfB Lübeck wieder eine vierstellige Besucherzahl zu verzeichnen sein wird, hat sich die Sache gelohnt. In der Hauptsache gibt es dann noch höherwertigen Fußball an der Meldorfer Straße zu bewundern. Das freut den Fußballfreund, unabhängig vom Ergebnis.

Konkurrenzfähig ist der Heider SV mit seinem um offiziell um 50000 Euro aufgestockten Jahresetat nicht. Der nächste Tabellennachbar in der Geldrangliste hat ungefähr das Dreifache zur Verfügung. Und Geld schießt eben doch Tore . . .

Aber wenn man Grenzen sprengen will, kann man sich an Hindernissen auch mal verletzen. Man kann allerdings Erfahrungen sammeln, sich beim nächsten Mal nicht an einer Mauer den Kopf stoßen, sondern ein Gerüst benutzen; das muss ja nicht gleich ein Himmelssturm sein.

Als die D-Jugendlichen zurückkommen, hat Meyenburg seine Arbeit erledigt. Und als vor Wochen das Ministerium da war und viel andere Prominenz, um das Fördergeld für den Kunstrasenplatz abzuliefern, hatte der Chef der Liga GmbH Schwielen an den Händen, weil er die Wellenbrecher auf der Gegengeraden selbst mit eingebuddelt hat, bevor das Stadion von den Verantwortlichen des Norddeutschen Fußballverbandes abgenommen wurde. 

Den Empfang der Gäste aus Kiel hat er dann anderen überlassen.

Die Geschichten zur Regionalliga folgen an diesem Mittwoch im Zwei-Stunden-Abstand - die nächste gibt es also um 12 Uhr.



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Ich finde es fantastisch was hier von Leuten wie Andreas, Kai, Chrisch, Friedel, Dicko, den Schwarzhosen, der Altliga und vielen anderen geleistet wir. All diese Leute stehen nicht in "Rampenlicht" wie die Trainer und Spieler und haben genau den gleichen Anteil an diesem Projekt Regio. Anpacken anstatt meckern ist deren Motto. Ich ziehe meinen Hut!

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