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Mit den Waffen einer Frau

Das hätten sich die Gründungsväter der Bundesliga nicht vorstellen können. Schon weil es Instagram nicht gab. 

Aber dass Lieschen Müller einen Trainer in aller Öffentlichkeit massiv attackiert – vielleicht die Schusters oder die Effenbergs hätten sich das getraut. 

In den frühen Sechzigern hätte es vor dem Rauswurf mitleidige Blicke für den kickenden Pantoffelhelden gegeben. Und für die Frau was an die Backen. 

Diese Zeit ist gottlob vorbei. Die Fußballvereine sind der gesellschaftlichen Entwicklung gefolgt – auch aus eigenem Interesse. Das weibliche Interesse verhilft zu ausverkauften Stadien. 

Man könnte vielleicht darüber reden, ob sich unbedingt gleich jede zur TV-Kommentatorin berufen fühlen sollte. Aber das gilt für die Männer auch. Insgesamt ist das ganz okay. 

Auch ändert sich der Terminus. Frau Lisa Müller machte von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch. „MEHR ALS 70 MIN BIS DER MAL NEN GEISTESBLITZ HAT“, formulierte sie Richtung Bayern-Coach Kovac, der jetzt endlich erst Lisas Mann, Thomas Müller einwechselte. 

Der fand die Äußerung zwar „auch nicht super“, aber man ahnt schon, wie daheim am Frühstückstisch gesprochen wird. Kovac' Autorität ist nachhaltig beschädigt, und nicht einmal eine Geldstrafe können sie gegen Thomas Müller verhängen. 

Wie man Bayern schlägt? Mit den Waffen einer Frau.



Wolfgang Ehlers

Wolfgang Ehlers
Wolfgang Ehlers, Jahrgang 1957, Redakteur im Verlag Boyens Medien seit über 23 Jahren, ist Dithmarscher von Geburt an und ein jahrzehntelanger Beobachter der Sportszene.

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